Vom Spoho-Studenten zum Marktführer

Rund 100 Interessierte fanden am 06. Mai den Weg in den Hörsaal 1 der Deutschen Sporthochschule Köln zur Podiumsdiskussion „Gründung und Innovation im Sportbusiness“ im Rahmen des 11. ASS Sportbusiness-Talks.

Auch Kai Lucius und Hartmut Zastrow  fanden nach vielen Jahren den Weg zurück in den Hörsaal 1. Als ehemalige Spoho-Studenten freuten sie sich, einen Einblick in ihre berufliche Karriere geben zu können.

Die Moderation des Abends übernahmen mit Tim Wehinger und Leon Kaltenbacher zwei Studierende aus dem B.A. Sportjournalismus und dem B.A. Sportmanagement und Sportkommunikation. Sie lösten diese Aufgabe souverän und führten professionell durch die Podiumsdiskussion.

Lucius gründete 2005 die Sport- und Eventmarketing-Agentur ad.letics. Deutschlandweite Bekanntheit erlangte ad.letcis u.a. durch den Aufbau und die Etablierung der BusinessRun Firmenlaufserie in Aachen, Essen, Freiburg und Köln. Die Firmenlaufserie wurde 2015 in die B2Run Laufserie der Infront Sports & Media integriert.

Zastrow gründete vor 25 Jahren SPORT+MARKT und formte das Unternehmen von einem Kölner Start-up zum Weltmarktführer im Bereich Marktforschung im Sport. Seit 2013 agierte SPORT+MARKT unter der Marke REPUCOM, die wiederum 2016 von Nielsen Sports übernommen wurde. Seit zwei Jahren hat sich Harmut Zastrow aus dem Sportbusiness zurückgezogen und engagiert sich als Öko-Landwirt in Spanien.

Kurzweilig schilderten Kai Lucius und Hartmut Zastrow ihre Erfahrungen mit der Selbstständigkeit, die Etablierung ihrer Unternehmen als jeweilige Marktführer bis hin zum Verkauf und ihrer Einschätzung zu den zukünftigen Herausforderungen im Sportbusiness.

„50 Anrufe waren keine Ausnahme“

So skizzierte Zastrow die Herausforderungen der erste Stunde. Kaltakquise und Klinkenputzen mit zahlreichen erfolglosen Anrufen bei den Großen im Fußballbusiness gehörte zum Einstieg einfach dazu. Auch dürfe man zu Beginn nicht zu viele Ansprüche haben. Als junger Mensch Mitte Zwanzig seien diese Herausforderungen aber zu meistern – eben wenn man selber (noch) keine Luxusansprüche ans Leben stelle und keine sonstigen Verpflichtungen (wie z.B. Familie, Eigentum)  habe. Letztlich brauche man das „Unternehmer-Gen“  um dem Berufsalltag eines Gründers mit fortwährender Unsicherheit über die Auftragslage Stand zu halten. Für ihn entscheidend war auch ein passender Geschäftspartner, den er im Mitgründer Torsten Zoëga bereits während des Sportstudiums gefunden hatte. Geholfen habe ihm weiterhin der Stallgeruch „Sport“. In den Terminen mit den Großen im Sportbusiness konnte man bei der „Sache“ (nämlich Sport) mitreden. Man teilte die gleiche Leidenschaft, was sich als ein großer Pluspunkt im Vergleich zu den damaligen Marktforschungsunternehmen herausstellte.

Für Lucius war zunächst entscheidend, dass man sich als Agentur ein eigenes Profil gebe und mit offenen Augen den Markt beobachtet. Ad.letics startete damals als Lauf- und Outdooragentur und profitierte von dem allgemeinen Fitness- und Lauftrend der 2000er-Jahre.  Die Idee einer Firmenlaufserie war nicht neu, sondern wurde übernommen und gleichzeitig besser gemacht. So modifizierte man das Angebot eines einfachen Firmenlaufs zu einem Event mit einer besonderen Start-/Ziellocation, Stimmung an der Strecke und einer abschließenden Party mit dem Namen „BusinessRun“. Geholfen hat beim Start des BusinessRuns in Köln die Verbindung zur Sporthochschule, die mit der Bereitstellung des Leichtathletikstadions den Weg für die ersten BusinessRuns ebnete.

 „Man muss nicht immer alles neu erfinden“

Auf die Frage hin, welche Rolle Innovationen bei der Etablierung ihrer Unternehmen gespielt haben, waren die Antworten denkbar einfach und ermunternd. Lucius wies darauf hin, dass man nicht immer alles neu erfinden müsse. Gute Produkte, Leistungen und Events gibt es viele. Man kann diese abkupfern, müsse sie aber gleichzeitig in Details verbessern und neu miteinander kombinieren.  Für den aktuellen Markt bedeute dies, dass man individuellere und persönlichere Angebote entwickeln müsse. Für Zastrow war das Zuhören beim Kunden oft der beste Weg um auf neue Ideen zu kommen. Denn Innovationen entstehen letztlich durch Probleme, die der Kunde selber nicht lösen kann. Auch sei es wichtig, dem Kunden etwas Abwechslung zu bieten, ihn nicht müde werden zu lassen. Dies kann schon mit Kleinigkeiten gelingen, es müsse nicht immer der große neue Wurf sein.

„Das Vorzimmer zum Freund machen“

Lucius und Zastrow gaben  zahlreiche Tipps, die den Studierenden Mut machten und den Blick für die Erfolgsfaktoren einer Gründung schärfen. Man solle einfach nicht zu lange warten, die Freiheit und Unabhängigkeit als Student nutzen, um möglichst viel auszuprobieren und anzustoßen. Gleichzeitig müsse man auch beharrlich sein, wenn man von einer Idee überzeugt ist und auch am Anfang bereit sein, „durch den Dreck zu kriechen“. Wichtig sei es außerdem, authentisch zu sein, sich die Kurve nicht vom Kunden bestimmen zu lassen, das Vorzimmer der Großen zum Freund machen und sich hin und wieder die ein oder andere Überraschung auszudenken.

Auch gab es die eine oder andere Geschichte aus dem Nähkästchen, die Staunen und Schmunzeln auf den Gesichtern der Zuhörer zurück ließen. So berichtete Zastrow beispielsweise von einer Auseinandersetzung mit einer früheren Marketingleiterin von Real Madrid, die einfach nicht glauben wollte, dass Barcelona in den Marktforschungsergebnissen VOR Real Madrid liege.

Wie gewohnt klang der Abend bei einem Kölsch im Foyer aus. Studierende und alte Wegbegleiter nutzen die Gelegenheit, um persönlich mit Kai Lucius und Hartmut Zastrow ins Gespräch zu kommen.

Der nächste ASS Sportbusiness-Talk wird im Wintersemester 2018/19 stattfinden.